Pflegewohnheim Rosenhain

Bauherr: Geriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz, vertreten durch GWS Graz,  mit Jürgen Haidacher
Architekturwettbewerb: EU weit, 1. Preis
Fertigstellung: 2013
Fotos: Peter Eder www.peter-eder.at

Auszug aus dem Wettbewerbsbericht

Entwurfsgrundsätze

  • Das Haus als Ort des Wohnens und Begehens
  • Eigene Innenwelt mit verschiedenen Wegführungen
  • Übersichtlichkeit zur Orientierung
  • Zimmer als persönlicher Rückzugsraum
  • Städtebauliche Gliederung der Baukörper/ Elemente
  • Freie Sichtbeziehungen innen und außen

Innere Strukturen

Das Haus für Menschen mit besonderen Bedürfnissen versteht sich als begehbare Struktur mit Dorfcharakter. Rund um die Wohnküchen mit Terrassen entwickeln sich die Räume der Wohngemeinschaften. Jeweils in der Mitte, mit zentraler Übersicht, befindet sich der Stützpunkt. Die Wege zu den versetzt angeordneten Wohnungen führen entlang der Atrien, ermöglichen Ausblicke und bieten mehrere Möglichkeiten um zum Ziel zu gelangen. Die Erschließungsbereiche sind Orte für Normalität, Partizipation und Nischen der allgemeinen Privatheit.

Das Gebäude gliedert sich architektonisch in sechs Bauteile, der klaren Zuordnung für die BewohnerInnen dienend, unterbrochen mit Glaszäsuren als Bezug nach außen. Dies stärkt die Orientierung im Inneren und den Bezug zur Außenwelt. Im Erdgeschoß des Neubaus befindet sich die Sozialpsychiatrische Pflegeeinheit ebenerdig zum Park und mit einem Bewohnergarten. Der Verbindungsgang und der Lift erschließen das Gebäude vom Altbau zentral im 1. OG Zubau vom EG Altbau. Im östlichen Flügel des Altbaues wird die gerontopsychiatrische Tagesklinik mit direktem Ausgang in den nordöstlichen Garten am oberen Niveau eingefügt.

Die neue durchgehende Erschließungszone öffnet das Haus mit belebtem Foyer, Infopoint und überdecktem Vorbereich. Von hier erfolgt direkt die Anbindung an den Neubau. Darüber befinden sich die Wohnküchen mit Terrassen und die Stützpunkte. Westlich im EG sind die Anlieferung, Verteilerküche, Lift und Fluchttreppenhaus angeordnet. Grundsätzliches Ziel ist die Öffnung der Raumstruktur im Inneren, die Unterteilung der langen Gänge. Der Vorplatz Nord wird mit Verweilzonen und Brunnen neu gestaltet.

Zimmer

Die Wohneinheiten stellen den intimen Bereich der BewohnerInnen dar. Ein französisches Fenster bildet geöffnet einen kleinen Freibereich im Wohnraum. Ein eingebautes Bücherregal mit Vorhangnische, Alkoven mit Sitzecke und einem Bord für indirektes Licht gliedern die Fensterfassade mit Holzelementen. Die Sitzbank kann mit einem aufklappbaren Seitenteil zu einem Notbett für Angehörige umgebaut werden. Im Raum selbst können persönliche Möbel aufgestellt werden. Der Vorraum ist mit Stauraum ausgestattet, das Bad ist behindertengerecht ausgeführt.

Verkehr, Erschließung

Haupteingang

Der Hauptzutritt erfolgt mittig vom Norden im EG Altbau. Die Zulieferung westlich davon. Barrierefrei wird von hier aus der Neubau angebunden.

Altbau

Durch die Anordnung der Stützpunkte und Wohnküchen mit Terrassen mittig im Altbau werden die bestehenden langen Gänge verkürzt. Dies fördert besseres Wohnmilieu und mehr Außenkontakt. An der westlichen Seite sind ein Besucher- bzw. Versorgungslift und eine Besuchertreppe angeordnet. Das bestehende Stiegenhaus und der bestehende Lift bleiben in Funktion und dienen der internen Erschließung und Versorgung.

Neubau

Über die mittige Erschließungsbrücke gelangt man vom EG Altbau in das 1.OG Neubau. In diesem sorgen ein Lift und eine offene Treppe für die vertikale Verteilung. 2 Fluchtstiegen im 1.OG bzw. Fluchtausgänge im EG führen ins Freie. Die innere Erschließung versteht sich netzartig um verschiedene Wege, entlang den Atrien, Wohngruppen und Fenstern nach außen, speziell für die Demenzthematik anbieten zu können. Die Wege erhalten somit  über die reine Funktion hinaus als Kommunikations- bzw. private Nischenbereiche.

MitarbeiterInnenparkplätze

Die bestehenden MitarbeiterInnenparkplätze, werden unterhalb des Neubaus untergebracht, die Zufahrt, vor dem Gebäude überdeckelt, erfolgt wie bisher von der Max Mell Allee. Damit ist der Park frei von Verkehr – über so genannte Notzufahrten für Einsatzkräfte wird die Sicherheit gewährleistet.

Hauptzufahrt

Die Hauptversorgung erfolgt wie bisher von der Nordseite Altbau. Die Notzufahrten im Park, belegt mit LKW befahrbaren KST Rasenwaben (die eine wirkliche Begrünung ermöglichen) erreichen alle südlichen Bereiche des Altbaus, sowie den Neubau rundum. Der Bereich zwischen Alt- und Neubau weist eine Notzufahrt und einen Nebeneingang auf.

Grün- und Freiflächenkonzept

Um die Eigenständigkeit des Parks aufzuwerten, wird entlang der Grundgrenzen natürlicher Bewuchs mit Bäumen (Eiche, Pappel, Buche, dazwischen Kirsch- und Apfelbäume) und Staudengruppen (Forsythie, Deutzie, Spiree, Flieder, Haselnuss) verstärkt. Die Parkfläche selbst soll möglichst offenbleiben, rollstuhlgerechte Rundwege durchziehen den Garten. Bei den Sitzplätzen spenden Kastanien Schatten. Die Notzufahrt wird mit KST Rasenwaben (echte Begrünung möglich, rollstuhltauglich) Rasencharakter aufweisen.

Der Bereich zwischen Alt- und Neubau versteht sich als urbaner Campus mit Brunnen. Die Sozialpsychiatrische Pflegeeinheit (Neubau) ist ebenerdig zum Garten, ebenso wie auch die Geriotopsychiatrische Tagesklinik (Altbau) gelegen.

Durch die intensive Begrünung der Dachflächen wird ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet, u.a. durch die Rückhaltung des Niederschlages, der Smog- und Feinstaubreduktion, dem verbesserten Stadt- und Mikroklima.

Gebäudetypologie

Durch die Unterteilung in 6 Bauteile wird die Baumasse städtebaulich gegliedert und versteht sich als verdichteter Flachbau.

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