Kinderkrippe Töllergraben Kapfenberg

Bauherr: Stadtgemeinde Kapfenberg, ARGE mit Georg Moosbrugger
Gutachterverfahren: 1. Preis
Fertigstellung: 2009
Fotos: Paul Ott www.paul-ott.at,
Peter Eder www.peter-eder.at

Die Räume der Kindheit haben uns alle geprägt, primär unabhängig von der Qualität ihrer Gestaltung haben wir sie verinnerlicht. Der Kindheit entwachsen erscheinen uns ihre Dimensionen heute meist kleiner, enger, als in der Erinnerung. Dies wird mit unserer erwachsenen, größer gewordenen Physiognomie zusammenhängen, aber auch mit einer rationelleren, mit mehr Wissen, aber weniger Fantasie getätigten Wahrnehmung. Gerade wegen der Verinnerlichung einer kindlichen Raumerfahrung für das spätere Leben sind höchste Ansprüche an die Qualität der zu schaffenden Räume zu stellen.

Grundsätze

Das Raumerleben hängt neben der rein technischen Erkennung auch von einer Bewertung des Raumes mit subjektiven Faktoren, wie Geruch, Geräuschen, Farbe und einer Projektion des subjektiv Erlebten ab. Die Raumgestaltung soll daher diese Faktoren stimulieren. Stellen wir uns zum Beispiel am Boden liegend die Decke zu betrachten, wie frei kann durch diese Projektion ein Raum sein der dadurch nicht mehr funktional determiniert ist, sondern gleichsam intuitiv wahrgenommen wird.

Für Kinder zu planen bedeutet für uns ArchitektInnen ihr Raumempfinden in uns wiederzuerkennen, Räume als Einheit zu gestalten, die keinesfalls nur rational determiniert sind. Dies ist die große Herausforderung, stellvertretend für Kinder Räume zu generieren, die eine positive Prägung ermöglichen. Kinder nehmen zwar die Welt so wie sie ist, auch schlecht gestaltete Räume werden sie mit Leben erfüllen. Aber es ist unsere Verantwortung die humanen Ziele einer Pädagogik für Kinder zu verstärken. Insofern kann man den Raum als gebaute Pädagogie verstehen. Die Gesamtwirkung kann nur im Zusammenwirken mit den Kindern, den PädagogInnen, ihren Aufgaben und der architektonischen Gestaltung gelingen. Architektur ist kein Selbstzweck, sondern übersetzt humane Bedürfnisse in ein baukünstlerisches Werk.

Es sind auch viele faktische Erkenntnisse umzusetzen, Fragen der Lichtführung und Belichtung, Durchblicke, Sichtbeziehungen, Regelwerke von Bauten für Kinder, Barrierefreiheit, Sicherheitsaspekte um nur einige zu nennen. Ebenso spielen Proportionen, Möglichkeiten der Nischenbildung, Farbe und Lichtgestaltung, Aspekte der Physiognomie, Materialien und natürliche eine gute funktionelle Lösung eine Hauptrolle.

Diese semantischen und funktionellen Forderungen umzusetzen, bedarf einer Entwicklung von Räumen, Konfigurationen und eines Habitus für das Gebäude, Innen wie Außen, als Kernaufgabe architektonischer Arbeit.

Einrichtung

Einen wesentlichen Inhalt der Raumgestaltung stellt die Einrichtung dar. Sie wird zum Arbeiten in der Gruppe benötigt, ermöglicht Gruppenbildungen, Aktivitäts- und Ruhezonen, sowie zusätzlichen Stauraum. Sie vollendet das Raumgefüge und stellt einen integrativen Teil der architektonischen Gestaltung dar, soll von den ArchitekInnen entwickelt und gestaltet werden. Die Industrie bietet hier viele Produkte an bei denen manchmal kindgerecht mit kindisch verwechselt wird. Grelle Farben, bizarr geschwungene Formen führen zu einer Reizüberflutung der Kinder. Gerade heute in der Zeit des permanenten medialen Einflusses auf unser Leben, gilt für die Einrichtung der Grundsatz: „Weniger ist mehr“. Die Kinder zu erden, sie zu entschleunigen, ihren die Möglichkeit einer fantasievollen Projektion zu geben, die Möglichkeit den Raum zu „begreifen“, gelingt mit einfachen, klaren Möbeln im Einklang mit der Architektur am besten. Die Sicherheitserfordernisse, denen Regeln zugrunde liegen können mit geplanten Möbeln genauso erreicht werden. Sich auf das Spiel der Kinder einzulassen, auf die Erfahrungen der PädagogInnen zu hören bringt für die Gestaltung der Einrichtung mehr als vorgefertigte Produkte.

Kinderkrippe Töllergraben Kapfenberg

Für die Planung bestanden Rahmenbedingungen in Form einer lauten Bundesstrasse im Süden, die Hanglage und einer Aussicht nach Osten beziehungsweise Westen. In zwei Bauabschnitten zu realisieren, versteht sich die Anlage als additives System. Grundidee war es alle Einheiten um emotional geschützte, aber zur Landschaft offene Innenbereiche zu gruppieren und zu belichten. Für die Südsonne wurden zwei in die Traufe eingeschnittene Lichtlaternen an der Straßenseite angeordnet. Die Anlage bietet so auch baulichen Schallschutz zur lauten Strasse. Von einer zentralen Erschließungsachse mit Blick zu den Innenbereichen ausgehend, erschließen sich vier Gruppenbereiche. Jede Gruppe mit Aufenthalts- und Ruheraum ist autark, als eigene Einheit auch von außen zu erkennen.

Für den Entwurf war es wichtig, die individuelle Zuordnung zu vier Einheiten anzubieten, um eine klare Verortung zu ermöglichen. Die Gruppen sind offen in die Innenbereiche orientiert, die Ruheräume zusätzlich mit einem Blick in die Landschaft. Die Innenbereiche öffnen sich jeweils nach Ost, bzw. West, um sich über den Innenbereich immer in die umgebende Landschaft einordnen zu können.

Bei den inneren Raumeinbauten, Deckenborden, Möbeln etc. wurde darauf geachtet, daß diese innerhalb der Raumhöhe von 3,0m gleichsam eine geringere optische Höhe für eine altersadäquate Raumwahrnehmung anbieten. So wurden Nebenräume mit einer Höhe von 2,26m als Boxen in die Einheiten eingefügt, die Möbel orientieren sich an der Augenhöhe der Kinder. Die Farbgestaltung betont die Themen Aktivität und Beschaulichkeit und verstärkt die autarke Raumzuordnung und innere Verortung … Die Außenspielbereiche arbeiten mit Geländeveränderungen, um unterschiedliche Bereiche anzubieten und diese in die Topographie einzugliedern.

Artikel: „Kiste“, Land Steiermark

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